Die moderne Kräuterhexe
„We are the granddaughters of the witches they could not burn.“
(Tish Thawer)
Dieser Satz geistert seit Jahren im Netz, auf Kleidung und Pinterest-Boards herum. Ursprünglich stammt er aus einem Fabtasy-Roman der Autorin Tish Thawer. Und wurde über die Zeit etwas abgewandelt.
Auch ich habe mir vor Jahren ein T-Shirt mit diesem Spruch gekauft und trage ihn seitdem auf meiner Brust, weil er mich in einer Weise berührt hat, die ich damals gar nicht so genau erklären konnte.

Seit meiner Ausbildung zur Kräuterkundlerin im Jahr 2022 , weiß ich nun, was es war, das dieser Satz in mir ausgelöst hat: Stolz! Purer Stolz darauf, dass ich als unabhängige moderne Frau mein Leben im Einklang mit der Natur und mithilfe von uraltem überliefertem Wissen leben darf.
Etwas, wofür ich heutzutage gefeiert werde, das Frauen vor ein paar Jahrhunderten allerdings als „Hexerei“ angekreidet wurde.
Wir leben so ein rasantes Leben. Haben alles, was wir brauchen und noch so viel mehr. Zwischen Arbeit, Familie und den ganz persönlichen Bedürfnissen passt am Ende des Tages kaum noch Luft. Und etwas ganz Wesentliches bleibt meiner Meinung nach dabei auf der Strecke: Die Bewusstheit dafür, dass wir nur ein Teil eines großen Kreislaufs sind. Und dass die Natur, die uns umgibt, Schätze bereithält, die wertvoller sind als alles, was wir uns kaufen können.
Vor ein paar Jahren habe ich beobachtet, wie ich mich zwischen all den Infos, die mich tagtäglich umschwirrten und meinen beruflichen sowie persönlichen Projekten nach etwas Echtem gesehnt habe. Nach Ruhe, Natur und Dingen, die für mich als Kind selbstverständlich waren, nun aber komplett aus meinen Leben verschwunden waren.
Obwohl wir seit nunmehr 11 Jahren direkt am Wald leben, besuchte ich ihn eigentlich nur, um mit unserem Hund Gassi zu gehen. Die Natur um mich herum hatte ich zuletzt…ja wann eigentlich beobachtet?? Wann hatte ich all diese Schönheit vergessen? Wann war sie mir so egal geworden?

Aus meinen Küchenfenster beobachtete ich mehrere Wochenenden im Jahr, wie Frauen und Männer gemeinsam aus dem gegenüber liegenden Bürgerhaus zu Wald- und Kräuterwanderungen aufbrachen. Und ich fasste den Plan: „Irgendwann, wenn ich Zeit habe, mache ich mal bei so etwas mit“.
Durch einen Zufall kam ich zu einem Kurs über Heilkräuter und beschloss, mir viel mehr Wissen über unsere heimische Kräuter- und Pflanzenwelt anzueignen. Der Kurs war nicht ganz günstig, im Nachhinein betrachtet ist all das Geld aber mehr als gut investiert gewesen.
Ein Jahr lang wollte ich in der „Heilpflanzenschule Kräuterwelten“, hier in Bordesholm lernen, erforschen und zurückfinden zu dem, was mich seit meiner Kindheit fasziniert: die Natur. Denn seien wir mak ehrlich: Wer von uns fand es als Kind nicht spannend, die Umgebung zu erkunden und neue Dinge zu entdecken. Das erhoffte ich mir von diesem Kurs. Was ich bekam, war so viel mehr als nur neues Wissen.
Ich fand mich schon am ersten Kurswochenende zwischen Frauen wieder, denen ich mich sehr verbunden fühlte – die das natürliche, langsame und achtsame Leben schätzen. Jede von ihnen war anders, und doch verband uns alle, sobald wir den Kursraum betraten, ein unsichtbares Band. Diese Gefühl hatte ich so lange nicht erlebt und es fühlte isch so gut an.
Über ein Jahr lang durfte ich von meiner Kursleiterin uralte und neue Erkenntnisse über Heilpflanzen und ihre Wirkung kennenlernen. Ich beschäftigte mich zum erstem Mal bewusst mit meinem Körper, den Organen sowie dem gesamten System, das ihn am Laufen hält. Ich begann ihn mehr zu schätzen und war von Stunde zu Stunde faszinierter davon, was all dieses Wissen in mir auslöste. Ich wollte immer mehr über Pflanzenauszüge und ihre Wirkung erfahren, darüber, welche uralten Märchen und Rituale es gab, die noch heute erzählt und praktiziert werden, über Räucherpraktiken und so vieles mehr.
Gemeinsam entdeckten wir im Kurs die Natur um uns herum, stellten Heilmittel, Kosmetik und leckeres Essen aus Pflanzen her, die unmittelbar vor unserer Haustür wachsen. Wir erfuhren Geschichten übereinander und waren wirklich wehmütig, als das gemeinsame Jahr zu Ende ging.

Die Verbundenheit, sich gemeinsam einer so natürlichen und schönen Sache zu widmen, Lösungen für Probleme zu finden, die in unserer heutigen Welt nur allzu oft mit Pillen, Spritzen, oder dem Versprechen eines neuen, vermeintlichen Wundermittels herbei gesehnt werden, hat mir vor allem eins geschenkt: Ruhe und Zuversicht, und das schöne Gefühl der Gewissheit, endlich wieder mit der Natur in Einklang zu leben und um ihre Kostbarkeiten zu wissen.
Und so fühle ich mich seitdem noch viel mehr verbunden mit all den Frauen, den alten Hexen, die schon damals um ihren Platz in der Natur wussten und all die Schätze kannten, die sie uns zur Verfügung stellt.

Und ich erlebe eine Form von Unabhängkeit, Vertrauen und Zuversicht, wie ich sie schon lange nicht mehr hatte.
Nach diesem Kurs war ich natürlich sehr inspiriert und bin wieder mit offenen Augen durch die Welt gelaufen. So habe ich in der Zeit einige Pflanzen beobachtet, gezeichnet und daraus Postkarten gemacht. Diese findest du hier in meinem Shop.
Auf meinem Blog findest du außerdem ein Rezept für einen Kräuterauszug, der die ganze Familie über das Jahr stärkt und unterstützt.



